Erschienen in der
Leonberger Kreiszeitung am 25.10.2005.
Gebersheim
Leicht ist es wegen der schwachen Apfelernte in der Region in diesem Jahr nicht gewesen, die
Äpfel für das Mostpressen zusammenzubekommen. Für einen leckeren Saft am "Tag des Mostes" im
Gebersheimer Bauernhausmuseum reichte es aber allemal.
Besonders die Kinder hatten ihren Spaß daran, sich an der Presse zu betätigen und danach
den selbst gepressten Saft zu genießen. Zahlreich umringten sie die Presse vor dem Museum und bestaunten
neugierig, wie der Saft in den Bottich rann. "Etwas saurer als im vergangenen Jahr ist er schon", fand
der neunjährige Fabian Melzer. Sein Vater Frank war als Helfer ebenfalls mit von der Partie und kümmerte
sich um die Gerätschaften, deren Betätigung vor dem Genuss des Saftes steht. Aus der Zeit von 1920
oder 1930 stammten die Presse und die Obstmühle, erklärte Museumsleiter Klaus Konz. Manchmal mit Papas
Hilfe stemmten sich die kleinen Gäste gegen den Hebel und quetschten das Fallobst bis auf den letzten
Tropfen aus. Eifrig drehten daneben andere Gäste an dem großen Rad der Obstmühle, mit der das Fallobst
vor dem Pressen zerkleinert wird. "Zwei Kisten Äpfel, die wir heute verarbeiten, haben Freunde aus Dresden mitgebracht",
erzählte Ralf Bornträger vom Museumsverein. Mit dem Tag des Mostes beging das Bauernhausmuseum
seinen diesjährigen Saisonabschluss.
Für die Besucher war der Eintritt ins Museum am Tag des Mostes frei. Einen Überblick über die Landwirtschaft
der vergangenen Jahrhunderte und den bäuerlichen Alltag gewährt das Museum seinen Gästen, was sich viele
Besucher natürlich nicht entgehen ließen. Einen prima Spielplatz würde das Gebäude sicher auch abgeben.
"Früher haben wir hier Fangen und Verstecken gespielt", berichtete Christian Melzer. Erinnerungen an
ihren Polterabend verbindet Caren Braico mit dem alten Bauernhaus, das sie und ihr damals zukünftiger
Mann für private Feiern gemietet hatten. Ein paar Kastanien aus dem Garten hinter dem Haus
präsentierten ihre beiden Töchter stolz. Kinderlachen war rund um die Mostpresse vor dem Museum immer
wieder zu hören. Viele Familien schauten am Sonntag vorbei und hatten oft auch Gefäße dabei, in denen
sie den frischen Saft nach Hause mitnahmen.
Die Saison sei insgesamt gut gelaufen, berichtete Eberhard Heckeler, der erste Vorsitzende des Vereins,
der sich seit der Jahresmitte um das Bauernhausmuseum kümmert. Nur die Museumshocketse sei wegen schlechten
Wetters nicht so gut besucht gewesen. Am Konzept der Veranstaltungen wolle der Verein nichts verändern.
Der Saisonauftakt wird im kommenden Jahr aber anders aussehen als bisher. Am 1. Mai werde der Maibaum vor
dem Museum aufgestellt und das Haus mit einem schönen Fest eröffnet, erklärte Konz. Veranstaltungen mit
Literatur und Musik stünden ebenso wieder auf dem Programm wie die Gelegenheit, das Mähen auf althergebrachte
Weise mit der Sense zu üben. Vor dem Winterschlaf des Museums werden die Vereinsmitglieder demnächst noch
einmal zusammenkommen und neben der Reinigung auch kleinere Reparaturen selbst ausführen. Die Besucher
dürften dieses Engagement zu schätzen wissen.
Laternenumzüge hat es in Gebersheim auch in den vergangenen Jahren schon gegeben. Doch bislang
unkoordiniert. Vereine, der Kindergarten, die Schule - jeder lud zu seinem eigenen Rundgang.
Zuletzt blieben immer mehr Kinder aus, auch wegen Terminüberschneidungen. Der Förderverein
des Bauernhausmuseums hatte nun im Sommer die Idee, alle Gebersheimer Laternenumzüge zu bündeln.
"Die Mitglieder des Liederkranzes und die Erzieherinnen des evangelischen Kindergarten erklärten sich sofort
bereit, das Projekt zu unterstützen",
erzählt Marcus Els vom Förderverein des Bauernhausmuseums. In vier Sitzungen machte er sich mit Kindergartenleiterin
Gerlinde Hönes und Christine Schultheiß vom Liederkranz an die Programmplanung. Die Organisatoren suchten
geeignete Musik, machten sich Gedanken für einige Überraschungen und warben Helfer
Die Kinder bereiteten sich derweil auf ihre eigene Art auf den großen Tag vor. Unter ihnen der kleine
Finn Schneider. Am Samstag trug der Junge stolz eine weiße Laterne in Form einer Martinsgans vor sich her.
"Die habe ich im Kindergarten selbst gemacht", erzählte er stolz. Finn gehört zu den Kindern, die ganz neu
im "Kindi" sind. "Mit ihnen haben wir diese Gänse gebastelt", erklärte Gerlinde Hönes. Die Lampions der älteren
Jungs und Mädchen stammten schon aus den vorherigen Jahren. Alle zusammen ergaben eine schöne, bunt leuchtende
Mischung.
Zu einem Martinsumzug gehört auch ein Reiter in Gestalt des Heiligen. Für diese Aufgabe hatte Marcus Els
die richtige Frau gewonnen. Die Gebersheimerin Ulrike Ammler ist seine Nachbarin und besitzt ein paar Pferde.
Auf einem stämmigen Grauen führte sie, mit Helm und leuchtend rotem Mantel bekleidet, den Umzug durch
die nächtlichen Straßen. Polizei und Feuerwehr sorgten dafür, dass diese für die Autos gesperrt blieben.
Nach gut einer Stunde erreichte der Umzug den Museumsgarten. Dort wartete schon die nächste Überraschung
auf die Kinder und deren Eltern. "Im Garten wird uns Pfarrer Andreas Wissmann die Geschichte vom heiligen Martin erzählen",
sagte Gerlinde Hönes.
Doch zunächst mussten sich die Großen und Kleinen erst einmal aufwärmen. Ungemütlicher Nieselregen und
ein kühler Wind konnte die Stimmung allerdings nicht trüben. Die Kinder sangen eifrig "Laterne, Laterne"
und auch das Lied vom "Sankt Martin". Nach einer Stunde waren die Finger der großen und kleinen Umzugsteilnehmer
aber dann doch recht klamm. Das hatten die fleißigen Helfer vom Chor 2000 vorhergesehen und schon warme
Getränke und ein Vesper vorbereitet.
"Ist es nicht toll, wenn alle so zusammenarbeiten", freute sich Gerlinde Hönes über die gelungene Veranstaltung.
Pfarrer Wissmann erzählte derweil die Geschichte des heiligen Martin, der seinen Mantel teilte, um den Bettler
vor dem Erfrieren zu bewahren. Die Kinder lauschten gespannt, obwohl die meisten die Geschichte schon kannten.
Und bevor sie dann nach Hause gehen mussten, bekam jedes von ihnen noch eine kleine Gans zum Naschen mit auf
den Weg.